So ziemlich jedem ist bekannt, dass in Thailand Beamtengehälter und die finanzielle Ausstattung des Staatsapparates sehr niedrig sind. Das Geld reicht weder für die Beamten, ihre Familien zu ernähren, noch ist es für viele Staatsorganen damit möglich, ihre Geschäfte damit zu führen. Dies führt dazu, dass oft „inoffizielle Gebühren“ verlangt oder erwartet werden.
Ist dies nun gut oder schlecht?
Diese Frage ist, meiner Meinung nach, von Fall zu Fall unterschiedlich zu beantworten je nach dem, ob die Konsequenzen der Koruption hilfreich oder schädlich sind und vor allem, ob jemand zu Schaden kommt.
Die guten Seiten
Auf einer Fahrt mit dem Auto begeht jemanden einen Bagatelldelikt gegen die Straßenverkehrsordnung. Von einem Polizisten angehalten, wird auf das Ausstellens eines Strafzettels und den Gang aufs Revier verzichtet. Stattdessen bezahlt der Verkehrssünder an Ort und Stelle eine kleinen Betrag in bar, ein Verwarnungsgeld sozusagen. Diese Praxis halte ich für gut. (Manche halten dies für „Erpressung“ , da aber etwas Illegales damit aufgewogen wird, sehe ich das nicht so)
(Die persönlichen Erfahrungen des Autors mit der Polizei in Thai und Amiland habe ich weg gelassen, da etwas so subjektives in einen comment eigentlich nichts verloren hat. Beispiele in einem solchen haben absolut objektiv zu sein, vielleicht kannst du ihm das ja mal sagen, solltest du ihn persönlich kennen :-)
Ein weiteres Beispiel wo Korruption weiter helfen kann, ist bei der Beschleunigung einer Antragsformalität für verschiedenste Dinge. Ein Trinkgeld bringt hier das ganze Verfahren in Schwung. Opfer gibt es hier keine, alle profitieren. Es handelt sich um den Preis, den man im Rahmen eines Geschäfts zahlt. Für eine angemessene Gebühr wird der Antrag im Rahmen des behördlichen Prozesses bearbeitet. Sonst läuft alles nach dem normalen, billigen Konzept und man muss warten.
Die schlechten Seiten
Ich habe für viele Jahre in der Ingenieurs- und Baubranche gearbeitet. Bei Verkehrsbau-Projekten, bekam den Zuschlag oft die Baufirma, die am meisten Bestechungsgeld dafür bezahlt hat. Nur selten war es das fachlich versierteste Unternehmen. Niemals aber hat eine Firma den Auftrag bekommen, die nicht bereit war, viel Geld dafür zu „spenden“. Im Entscheidungsprozess war fachspezifische Kompetenz deswegen meist kein ausschlaggebendes, weil der Gewinner der Ausschreibung sich als solcher ausrechnen konnte, immer genug billige Facharbeiter anstellen zu können. (Manche Fehlplanungen oder Probleme bei Bauprojekten sind legendär geworden)
Die Leidtragenden sind Firmen, die auf Ökonomie ausgerichtet, mit hoher fachlicher Kompetenz arbeiten und ihre Geschäfte anständig abwickeln. Sie werden von den Unternehmen, die Schmiergelder zahlen vom Markt verdrängt, welche im Normalfall nicht mit denselben fachlichen Fertigkeit aufwarten können.
Des Weiteren sind die Leidtragenden dieser Art der öffentlichen Auftragsvergabe, die Staatshaushalte, der Bürger, welcher in diese einzahlt und der Endverbraucher, der mehr Geld für weniger Service ausgeben muss. Geld, das er oder sie an einen Monopoldienstleister bezahlen muss, der die Lizenz für sein Monopol durch Schmiergeldzahlungen an Beamte erworben hat, während andere Unternehmen leer ausgingen. (Dieses Thema wird im Artikel „Monopole“ näher ausgeführt).
Manchmal können sich Kriminelle, die anderen Schaden zugefügt haben, durch die Zahlung einer enormen Summe an Bestechungsgeld ihrer Verhaftung und/oder Verurteilung entziehen, was es ihnen ermöglicht weiteren Schaden an zurichten. Dasselbe gilt auch für unsaubere Firmen, die Betrug an ihren Mitarbeitern begehen (z. B. indem sie Gehälter nicht auszahlen) und natürlich für Menschenhändler, die Menschen gegen Bezahlung einen Job im westlichen Ausland andrehen, diese aber dort angekommen, herausfinden müssen, in einem Ausbeutungsbetrieb gelandet zu sein, der Hungerlöhne zahlt (z. B. die LSG Dt. GmbH, Anm. des Übersetzers)
Die häßlichen Seiten
Anhang 579Jeder, der schon einmal in Bangkok war, hat die vielen unvollendeten und verlassenen Hochhäuser gesehen, die schon seit Jahren immer mehr verfallen.
Fast jeder weiß von der Korruption im Bau und Bankgewerbe, die innerhalb des Wirtschaftsystem Thailands für Liquiditätsprobleme gesorgt hat, deren Auswirkungen dabei fast alle anderen Länder Asiens mit in die Krise gerissen haben.
Nicht bekannt aber ist wie sehr Korruption diese Krise verschlimmert hat. Wo, im Falle umfangreicher Projekte, die angebotenen Schmiergeldzahlungen viele Vorarbeiter und Entscheidungsträger dazu veranlasst hat, Lizenzen für das Projekt herauszugeben und dafür Kredite zu bewilligen. Wäre das Bestechungsgeld den Verantwortlichen nicht angeboten worden und somit die Entscheidungen nur auf Grundlage wirtschaftlicher Rentabilität, unter Berücksichtigung der Marktsituation (zahlreiche vergleichbare Konkkurenzprojekte waren gleichzeitig im Bau) getroffen worden, hätte der Kollaps der asiatischen Märkte merklich abgemildert, oder gänzlich vermieden werden können.
Das ist etwas, an das man sich immer erinnern muss, wenn man die vielen vor sich hin rottenden Hochhäuser in Bangkoks, sonst so eindrucksvoller Skyline sieht.
*** Übersetzung aus dem englischsprachigen Original von Marc Prado ***
[ Beitrag von Robin710 - 14.04.2008]

